I. Textbeispiele

Saison 1934/35

 

I. Saisonverlauf 


Beim VfR Mannheim hatte man allen Grund, den Titelgewinn in der Saison 1934/35 gleich in doppelter Hinsicht gebührend zu feiern. Zum Einen gelang es, die Meisterschaft der Gauklasse Baden nach Mannheim – genauer: an die Brauereien – zu holen, und schließlich stellte der Verein mit Kurt Langenbein auch den besten Torschützen. Mit 24 Treffern erzielte die „Worschd“ – so sein Spitzname – knapp die Hälfte aller Tore des diesjährigen Meisters. Für den SV Waldhof, der in der Vorsaison noch im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft stand, reichte es „nur“ zu Platz 4. Für die Ansprüche, die man beim SVW hatte, natürlich viel zu wenig, rutschte man mit dieser Platzierung noch hinter den VfL Neckarau, der in Gottfried Wenzelburger den zweitbesten Torschützen stellte ( 16 Treffer ), und sah sich vorübergehend nur noch als „dritte Kraft“ im Mannheimer Fußballsport. Eine Parallele zu den Spielzeiten 1925/26 und 1926/27 in der Bezirksliga, die man beide – hinter dem VfR Mannheim und dem VfL Neckarau liegend – ebenfalls auf Rang 4 abgeschlossen hatte. Aufgrund von Ausschreitungen beim Spiel gegen den FC Phönix Karlsruhe gab´s sogar eine Platzsperre, die mit dazu beitrug, daß die Titelverteidigung mit dem neuen, alten Trainer Hans Tauchert, der nach seinem einjährigen Abstecher zu den Münchener Bayern wieder zum SVW zurückgekehrt war, mißlang. Betrachtet man sich die Bilanz des VfR Mannheim einmal näher, so fällt auf, daß man zwar die meisten Treffer erzielte ( 53 ), mit 31 Gegentreffern aber die drittmeisten Gegentreffer kassierte. Nur die beiden am Tabellenende platzierten Teams aus Karlsdorf und vom Lindenhof weisen mehr Gegentreffer als der Meister auf ! Beide Aufsteiger waren in dieser Saison der Mitkonkurrenz mehr oder minder deutlich unterlegen. Bei immerhin 7 Remis gelang der Mannschaft aus Karlsdorf kein einziger doppelter Punktgewinn1, was dem Lindenhof zumindest in einer Begegnung – am 25. November 1934 gegen Karlsdorf – gelang. Für Karlsdorf war der „Ausflug“ in die höchste Spielklasse nur von kurzer Dauer. Nach nur einem Jahr Zugehörigkeit zur Gauliga stieg man wieder in die Bezirksklasse ab. Immerhin hatte man „in der Hardt und dem vorderen Kraichgau“ eine Fußballbegeisterung entfacht, die über 20000 Zuschauer zu den neun Heimspielen der Germanen strömen ließ.2Die meisten, nämlich „4000 – 5000“ Zuschauer, waren zur Begegnung gegen den FC Phönix Karlsruhe erschienen, die mit 0–5 allerdings deutlich verloren wurde. Mit rund 2000 Einwohnern war Karlsdorf die kleinste Gemeinde Deutschlands, deren Fußballverein in der Gauliga vertreten war.3Und das rund ein Dreivierteljahrhundert, bevor die TSG Hoffenheim die Erstligabühne betrat !4  ( ... )


1 Den SV Viktoria Recklinghausen ( Gauliga Westfalen ) ereilte in dieser Saison dasselbe Schicksal. Mit 4 Remis und 14 Niederlagen blieb man ebenfalls ohne Sieg

2 100 Jahre FC Germania Karlsdorf, 2006, Seite 35

3 Diesen „Rekord“ hielt bis dato der SV 1911 Algermissen im Gau Niedersachsen

4 Die TSG Hoffenheim stieg 2008 in die 1. Fußball-Bundesliga auf. Hoffenheim, ein Stadtteil von Sinsheim, hat rund 3300 Einwohner.   

II. Torschützen 

III. Platzverweise 

IV. Zuschauer



Gesamt:   

 

Ø 


Veränderung nominal: + 49200


Veränderung prozentual: + 17,3 %

 


Spiele mit den meisten Zuschauern


Spiele mit den wenigsten Zuschauern


Die Zuschauerzahlen im Einzelnen


VfR Mannheim: 

SV Waldhof:

1. FC Pforzheim:

VfB Mühlburg:

VfL Neckarau:

Karlsruher FV:

FC Phönix Karlsruhe:

Freiburger FC:

FC Germania Karlsdorf:

MFC 08 Lindenhof:



Nahezu 50000 Zuschauer mehr als in der Vorsaison waren bei den 90 Spielen zugegen. Wiederum waren es die Mannheimer Derbys, deren Attraktivität bis zu 20000 Zuschauer ins Stadion lockte. Bei allen drei Mannheimer Vereinen – SV Waldhof, VfR Mannheim und VfL Neckarau – lagen die Zuwächse zwischen 31,8 und 35,6 %. Im Vergleich: bei den Karlsruher Vereinen Karlsruher FV, FC Phönix Karlsruhe und VfB Mühlburg gab es Steigerungen zwischen 13,0 und 22,3 %. In Pforzheim ( + 3,5 % ) und Freiburg ( + 2 % ) waren die Zuwächse wesentlich bescheidener.

V. Schiedsrichter


Wie nicht anders zu erwarten, gab es auch in dieser Saison ( überwiegend ) gute und weniger gute Leistungen der Schiedsrichterzunft. Kritik gab es mitunter an der Auslegung der Vorteilsregel sowie an der fehlerhaften Umsetzung von Abseitsentscheidungen. Was nicht wundert: der Schiedsrichter war – damals wie heute – nicht in allen Spielszenen ideal postiert und konnte dies auch nicht sein, so daß es Situationen gab, die, typischerweise bei Abseitsentscheidungen, möglicherweise nicht immer korrekt sein konnten. Was heute diverse Fernsehkameras nicht eindeutig belegen können, darf man erst Recht nicht von den Schiedsrichtern jener Tage verlangen. Abweichend von der bisherigen Regelung, kamen von Beginn der neuen Saison an nur noch Schiedsrichter aus dem eigenen Gau zum Einsatz. Man war darin übereingekommen, daß ein Austausch von Schiedsrichtern über die Gaugrenzen hinweg nicht mehr erforderlich sei, da im neuen Staat die Schulung und Fortbildung der Schiedsrichter auf einer einheitlichen Grundlage basiere, die einen weiteren Austausch vorerst nicht mehr erfordere. ( ... )



Einsatzstatistik


Anzahl: 31


davon gaufremd: 0


neu: 17


Einsätze                                 Name                              Ort                                  Anm.

    3               Albrecht, Gottfried          Mannheim

    2               Bräutigam, Anton           Freiburg                    neu

    1               Busse, Willi                     Rastatt                      neu

    4               Dehm, Sylvester             Durlach  


VI. Statistik der Gauligaspiele



02.09.1934


Freiburger FC - MFC 08 Lindenhof 4 – 0 ( 4-0 )


Freiburger FC: Müller I – Mandler, Kassel – Keller, Lehmann, Zeltner – Daurer, Reinecke, Peters, Deschner, Müller II


MFC 08 Lindenhof: Pabst – Herrmann, Brose – Ziegler, Schiefer, Dubronner – Probst, Engster, Zöllner, Müller, Dorst


Tore: 1-0 Peters (9.), 2-0 Deschner (17.), 3-0 Peters (28.), 4-0 Lehmann (39./FE)


Schiedsrichter: Schlemmer ( Karlsruhe )


Zuschauer: 1600 / 2000 / ca. 3000



Karlsruher FV - FC Germania Karlsdorf 0 – 0


Karlsruher FV: Stadler – Huber I, Immel – Helm, Wünsch, Schneider – Brecht, Benz, Keck, Bekir, Daferner


FC Germania Karlsdorf: Riffel I – Schlindwein I, Riffel II – Schlindwein II, Huber, Riffel III – Köhler, Huber I, Schlindwein III, Huber II, Klein


Tore: ---


Schiedsrichter: Duchardt ( Heidelberg )


Zuschauer: 3000 / 3500




09.09.1934


MFC 08 Lindenhof - Karlsruher FV 1 – 1 ( 1-0 )


MFC 08 Lindenhof: Pabst – Brose, Müller – Dubronner, Schiefer, Zöllner – Probst, Spieß, Engster, Synock, Dorst


Karlsruher FV: Stadler – Huber I, Wünsch – Nagel W., Nagel E., Helm – Daferner, Benz, Brecht, Schneider, Bekir


Tore: 1-0 Müller (10./FE), 1-1 Daferner (47.)


Schiedsrichter: Selzam ( Heidelberg )


Zuschauer: ca. 3000


Das Spiel fand auf dem Platz des VfR Mannheim statt.

VII. Um die deutsche Meisterschaft


Gruppe 3


Qualifikanten:

 

VfL Benrath                                 Meister Gau 10 ( Niederrhein )

VfR Köln 04 rrh.                          Meister Gau 11 ( Mittelrhein )

FC Phönix Ludwigshafen          Meister Gau 13 ( Südwest )

VfR Mannheim                            Meister Gau 14 ( Baden )



Erinnerungen wurden wach. Erinnerungen an die „Straßenbahn-Ära“ im damaligen Rheinbezirk. Diesen hatte es bis 1933 gegeben, und die Mannheimer und Ludwigshafener Vereine waren nicht nur über ein Jahrzehnt praktisch „unter sich“ gewesen, sondern spielten regelmäßig auch um den Meistertitel, der dann zumeist an einen der Clubs von der rechten Seite des Rheins fiel. Mit der Auflösung des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes im August 1933 und der Neuordnung des Spielbetriebs waren auch die bisherigen Derbys weggefallen. Die Ludwigshafener Vereine – sie mußten künftig nach Pirmasens, Kaiserslautern, Neunkirchen und Saarbrücken, während die Mannheimer Vereine bekanntlich den Vereinen aus dem übrigen Baden, allen voran aus Karlsruhe, Pforzheim und Freiburg, gegenüberstanden. Einzig die Spiele um die deutsche Meisterschaft – von Freundschafts- und Pokalspielen abgesehen – führten die Kontrahenten von einst noch zusammen, und das war – zwischen 1933 und 1945 nur ein einziges Mal – in den Spielen um die deutsche Meisterschaft des Jahres 1935 der Fall. Es war zugleich das Ende einer großen Epoche im Ludwigshafener Fußballsport der Vorkriegszeit. Das Aushängeschild über die Jahre hinweg – das war der altehrwürdige FC Phönix gewesen, dessen Stadion an der Arnulfstraße große Fußballspiele, -kämpfe und -schlachten gesehen hatte. Mit dem Meistertitel des FC Phönix endete diese Ära, danach ging es im Steilflug bergab, und wie es dem großen 1. FC Nürnberg im Jahre 1969 erging, so erging es auch dem FC Phönix Ludwigshafen: ein Jahr nach der Erringung des Meistertitels stieg man aus der höchsten Spielklasse ab. (...)

 

VIII. Um den Aufstieg in die Gauliga Baden



Qualifikanten:

 

SptVgg Amicitia Viernheim        Meister des Bezirks 1 ( Mannheim )

FC Germania Brötzingen            Meister des Bezirks 2 ( Karlsruhe )

VfR Konstanz                                Meister des Bezirks 3 ( Freiburg )




Die Aufstiegsrunde zur Gauliga Baden bot mit dem VfR Konstanz, der SptVgg Amicitia Viernheim und den „Germanen“ aus Brötzingen wiederum ein illustres Teilnehmerfeld. Für die Viernheimer galt es, an die erfolgreiche Zeit zu Beginn der 30-er Jahre anzuknüpfen, als man für zwei Spielzeiten der Bezirksliga Rhein-Saar angehörte. Rückblickend betrachtet, war der im Jahre 1923 erfolgte Zusammenschluß des Sportvereins 09 und der Amicitia die richtige Entscheidung gewesen. Bis zum Aufstieg 1931 war man immerhin drei Mal Meister in der Kreisliga Unterbaden geworden und zählte in jener Zeit zu den führenden Kreisligavereinen Unterbadens, doch erst im dritten Anlauf war der Aufstieg in die Bezirksliga geschafft. Gemessen daran, war der sportliche Werdegang des VfR Konstanz weniger erfolgreich. Erst 1928 war es gelungen, in die zweithöchste Spielklasse aufzurücken, der man bis 1933 angehörte.1 Als dritter im Bunde gesellte sich der FC Germania Brötzingen hinzu. Man wollte an das einjährige Gastspiel in der Gauliga 1933/34 anknüpfen und überhaupt: die Germania aus Brötzingen zählte zu jenen Vereinen, die in der Vergangenheit schon stolze Erfolge erringen konnte. So gab man bereits zu Beginn der 20-er Jahre ein dreijähriges Gastspiel in der Kreisliga Südwest und gehörte von 1928 bis 1933 der Bezirksliga Württemberg–Baden an. Der Meisterschaft in der Kreisliga Enz-Neckar 1927/28 folgte in der Saison 1928/29 die Meisterschaft in der Bezirksliga ! Man war also „durchgestartet“ und qualifizierte sich für die Spiele um die Süddeutsche Meisterschaft, wo man u. a. auf den FC Bayern München traf und diesen zu Beginn des Jahres 1929 mit 3–2 besiegen konnte !2 Nun also erstmal Konstanz und Viernheim statt München ! ( ... )

 

 

1 Bis 1930/31 Kreisliga Schwarzwald, 1931/32 bis 1932/33 Kreisliga Hegau-Bodensee

2 Das Spiel fand am 13. Januar 1929 in München (!) statt   

 

II. Spielerporträts

(73)

MÜLLER, Hugo


* 12.09.1911 Lauterbach

+ 15.01.1980 Karlsbad-Langensteinbach


 

Ein Freiburger Torwart-Denkmal


Müßte man ein FFC-internes „Torhüter-Ranking“ erstellen, das selbst über den hier behandelten Zeitraum 1933 bis 1945 hinaus Gültigkeit beansprucht, dann wäre ein Mann ganz vorne zu finden, der zwischen 1933 und 1938 in 89 Gauligaspielen als letzter Mann der „Bobbele“ in Erscheinung trat. Die Rede ist von Hugo Müller, dem gebürtigen Lauterbacher, der in diesem Zeitraum nur ein einziges Spiel „verpasste“ und zwar jenes beim VfB Mühlburg, das am 13. Februar 1938 stattfand. Weder aufgrund einer Verletzung noch aufgrund einer Sperre, sondern aufgrund des Umstandes, „daß Hugo Müller, der von Schramberg kommen sollte, in Mühlburg nicht anlangte.“1 Nach dieser, seiner letzten Saison, kehrte Hugo Müller zu seinem Heimatverein, der SpVgg 08 Schramberg, zurück, wo er einst 1932 gen Freiburg ausgezogen war, die große Fußballwelt in Form der Bezirksliga, ab 1933 dann in der Gauliga, zu entdecken. Das gelang ihm im wahrsten Sinne des Wortes auf ganzer Linie, denn Hugo Müller war ein extrem ehrgeiziger und reaktionsschneller Torhüter, was ihm nicht nur gute Kritiken einbrachte sondern auch noch 14 Einsätze in der badischen Auswahlmannschaft und – nach seiner Rückkehr nach Schramberg – auch solche in der Auswahl des Gaues Württemberg. Möglicherweise wäre für Hugo Müller sogar mehr „drin“ gewesen, wenn ... ja wenn ihn nicht ein „Schönheitsfehler“2 daran gehindert hätte: er sei „etwas klein“ schrieb einst eine Fachzeitschrift, „für einen Nationalhüter ... reichen die Körpermaße nicht aus.“3 Wie dem auch sei: Gegen die starke Konkurrenz – der Karlsruher Theodor Mayer, der Waldhöfer Ernst Drayß und nicht zuletzt der Neckarauer Otto Diringer meldeten ebenfalls Ansprüche auf die Nummer „1“ im Tor der Landesauswahl an – konnte sich das Freiburger Torwart–Denkmal recht passabel in Szene setzen.


Schon frühzeitig hatte Hugo Müller im Tor der Schramberger mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Als 17-jähriger stieg er mit seinen Null-Achtern 1929 von der Kreisliga in die damals höchste Spielklasse, die Bezirksliga, auf. Immer wieder las man vom „hervorragenden Können des Schramberger Hüters“4, der sich in Schramberg wohl fühlte, noch dazu in einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Verhältnisse das Land in eine immer bedenklicher werdende politische Schieflage brachten. Als dann 1932 Verantwortliche des Freiburger FC bei den Müller´s in Schramberg anklopften und dem Sohnemann nicht nur ein sportliches Engagement, sondern auch eine berufliche Absicherung in Aussicht stellten, fiel die Entscheidung nicht schwer: der künftige Torwart beim FFC hieß Müller Hugo. Was ihm und seinen Nachfolgern nicht gelang: mit dem Freiburger FC den badischen Meistertitel nach Freiburg zu holen. Dem Gesetz der Serie zufolge hätte das in der Saison 1939/40 der Fall sein „müssen“ – die letzten Meisterschaften gab´s 1919/20 und 1929/30 zu feiern – , doch die Fußballgötter oder wer auch immer im Himmel oder anderswo bei der Vergabe der Meisterschaft ein „Mitspracherecht“ besitzt, ließen den FFC abblitzen. Nie gelang es, die Übermacht der Mannheimer Vereine – allen voran des SV Waldhof und des VfR Mannheim – entscheidend zu brechen und an die Erfolge aus der Frühzeit des Freiburger Fußballsports anzuknüpfen. Der aus Kehl stammende Friedrich Seminati trat 1938 in die Fußstapfen, die sein Vorgänger hinterlassen hatte und erwies sich als ebenso zuverlässig und „fangsicher“. Im selben Jahr läuteten die Hochzeitsglocken im Schwarzwalddörfchen Schramberg, als Hugo Müller am 17. Juni seiner Braut Emma Johanna geb. Schuler das Ja-Wort gab. Der junge Ehemann sei, so wußte dessen Neffe Ewald Müller zu berichten, nicht „bei der Wehrmacht“ gewesen. Möglicherweise „rettete“ ihn seine Ehe vor einem Fronteinsatz, denkbar – und naheliegend – ist allerdings, daß der gelernte Kaufmann von Berufs wegen eine heimatnahe Verwendung fand.


Über den Krieg hinweg blieb Hugo Müller seinen „Null-Achtern“ treu und stand noch bis Ende der 40-er Jahre im Tor. Die Scheidung von seiner Frau – die Ehe war kinderlos geblieben – führte das Freiburger Torwartdenkmal dann in den 60-ern nach Karlsruhe, wo er sich als selbständiger Immobilienkaufmann geschäftlich und privat niederließ. Seine letzten Tage verbrachte Hugo Müller aufgrund einer Krebserkrankung im SRH-Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach. Dort verstarb er am 15. Januar 1980. An seine erfolgreiche Zeit beim FFC konnte der 68-jährige weder geschäftlich noch privat nie mehr anknüpfen.



1 ( Fußnote )

2 ( Fußnote )

3 ( Fußnote )

4 ( Fußnote )

(101)

SENN, Erwin Dr.     


* 09.02.1923 Plankstadt

+ 10.10.1959 Schwetzingen


Tod auf der Landstrasse


Als die Nachricht vom tragischen Tod Erwin Senns in Plankstadt die Runde machte, war das Entsetzen und die Trauer bei allen, die ihn gekannt und geschätzt hatten, sehr groß. Der gebürtige „Plänkschder“, der der legendären Mannschaft des Vereins angehört hatte, die in der Saison 1941/42 der Gauliga Baden angehörte, kam, gerade einmal 36-jährig, bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Das Ganze passierte am 10. Oktober 1959, einem Samstag, als Erwin Senn, von Beruf Tierarzt mit einer Praxis mitten im Dorf, mit seinem VW–Käfer von Schwetzingen in Richtung Brühl fuhr und mit einem LKW zusammenstieß. Im Kreiskrankenhaus Schwetzingen erlag der Veterinär wenig später seinen inneren Verletzungen, die er bei diesem Unfall erlitten hatte. Die Trauer über den Verlust des Ehemannes und Vaters – sein Sohn Gerhard (6) sowie seine Töchter Ursula (4) und Karin (1) waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal schulpflichtig – war für die junge Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Dank der Unterstützung von Angehörigen gelang es, die schwierige Situation, welche durch den Verlust des Vaters entstanden war, zu meistern. Mehr noch: seine Tochter Ursula fand ebenso Gefallen an dem Umgang mit Tieren und betreibt heute eine tierärztliche Praxis in Plankstadt.


Erwin Senn wurde am 9. Februar 1923 im beschaulichen Ort Plankstadt, wenige Kilometer südlich von Mannheim, geboren. Zusammen mit seiner älteren Schwester Hildegard und seiner jüngeren Schwester Gerlinde wuchs er in „Plankschd“ auf, ging dort zur Schule und kam irgendwann in den 30-er Jahren mit dem Fußball und der SpVgg Plankstadt in Berührung. Schon früh hatte in Plankstadt die Fußballbewegung Fuß gefasst, 1905 war bereits ein Fußballklub namens Viktoria entstanden, ein Jahr später kam es zur Gründung der Fußballgesellschaft, welche sich wiederum 1920 mit dem Fußballverein 1916 zur Spielvereinigung Plankstadt zusammengeschlossen hatte. Die Fusion brachte es mit sich, daß der Verein zur Nummer 1 im Ort aufstieg und sich zum „gestandenen Zweitligisten“ entwickelte, will heißen: sportliche Heimat der SpVgg war die Kreisliga, der man ununterbrochen bis 1933 angehörte, bevor die Neueinteilung der Spielklassen den Verein in die – ebenfalls zweitklassige – Bezirksliga Unterbaden brachte. Damit konnte man sich im Verein recht gut arrangieren, waren doch die Plätze im „Oberhaus“ auf acht bzw. zehn beschränkt, und als Kanonenfutter herhalten wollte man in Plankstadt auch nicht unbedingt, so daß man sich bis auf Weiteres mit der Zweitklassigkeit zufrieden gab.


Erstligafußball in Plankstadt ? Genau das konnte man damals, mitten im Krieg, sehen. In den Aufstiegsspielen 1941 hatte sich die TSG – diese war 1936 durch eine Fusion der Spielvereinigung mit der Turngemeinde von 1890 entstanden – einen der beiden begehrten Aufstiegsplätze gesichert und befand sich jetzt mitten im Kreis derer, die all die Jahre als Flaggschiff in Fußball-Baden galten. Die Euphorie über den Aufstieg hielt sich verständlicherweise in Grenzen, doch bis heute sind die Erinnerungen daran noch recht frisch, zumindest bei jenen, die bei diesen als Halbwüchsige zugegen waren. Man konnte das Spiel der „Kanonen“ erstmals – nicht live und in Farbe, mehr noch: hautnah und ungekünstelt – mitten auf dem Dorfplatz miterleben und gar mit ihnen in Kontakt treten. Die „Kanonen“, das waren jene Spieler vom SV Waldhof, dem VfR Mannheim oder vom VfL Neckarau, die schon damals die Idole der Schuljugend waren: die Erbs, Günderoths und Pennigs vom SV Waldhof, die Danners, Feths und Lutz´ vom VfR Mannheim, und natürlich auch die Spieler des amtierenden Meisters aus Neckarau, allen voran Willi Preschle, der beim 4–1 Sieg seiner Elf gleich mal zwei Treffer im TSG-Gehäuse versenkte. Mittendrin im Geschehen auch der damals 18–jährige Erwin Senn, der zumeist als Mittelstürmer oder -läufer zum Einsatz kam und am Hebel-Gymnasium in Schwetzingen gerade erst sein Abitur bestanden hatte. Wohlgemerkt: in dieser Saison war die Gauliga das zweite Mal nach 1939/40 geteilt, und da die Gruppe Nord nur aus sechs Vereinen bestand, gab es nur zehn Spiele, davon die Hälfte im heimatlichen „Plankschd“ zu bestaunen. Das genügte durchaus, um die Luft der höchsten Spielklasse einmal und dann nie wieder einatmen und geniessen zu können in der Gewißheit, dabei gewesen zu sein, als die Senns, Kolbs, Berlinghofs und Blatts ihre TSG bis in die höchste Spielklasse führten. Nur ein Remis und ein Sieg standen zu Buche, doch der hatte es in sich. Mit 3–1 beim fast übermächtigen VfR Mannheim zu gewinnen, das mußte man – Krieg hin oder her – auch erstmal fertigbringen. Wenn das noch am ersten Spieltag der Fall ist und man danach die Tabelle als Erster anführt, dann ist das für Fans, Spieler, Funktionäre und all jene, die sich damals dem Verein verbunden fühlten, etwas ganz, ganz Besonderes. Zu diesem Sieg steuerte auch Erwin Senn einen Treffer bei, insgesamt waren es drei, die der „Win“ in dieser Saison im gegnerischen Gehäuse platzieren konnte. Wenn von Spielern die Rede war, die von der Tagespresse gute Kritiken bekamen, fand regelmäßig auch der Name „Senn“ Erwähnung. Nach dem Abstieg gab es ein Jahr später, 1943, erneut eine Chance zum Aufstieg, die aber verpasst wurde, was in Plankstadt, ob der Widrigkeiten jener Zeit, nicht bedauert wurde. Von einem Fronteinsatz blieb Erwin Senn während des Krieges verschont, im Range eines Leutnants kehrte er 1945 zur Familie zurück und begann noch im selben Jahr ein Studium an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover, das er 1950 mit dem Examen abschloß. Ein Jahr später schloß Erwin Senn den Bund für´s Leben und kehrte anschließend nach Plankstadt zurück, wo er sich als selbständiger Tierarzt niederließ und als Fußball-Abteilungsleiter der TSG wirkte. Noch heute erinnert die Erwin-Senn-Halle in Plankstadt an einen ihrer besten Spieler, „der das Gesicht unseres Vereins zu seiner Zeit weitgehend mitbestimmte“1 und zum bisher größten Erfolg in der Vereinsgeschichte beigetragen hat.


1 ( Fußnote )

 

III. Einige Bilder, die im Buch erscheinen werden

Was wir am Anfang befürchet hatten, nämlich viel zu wenig Bildmaterial vorliegen zu haben, hat sich im Laufe der Zeit in sein Gegenteil verkehrt. Momentan sind es einige hundert Bilder, die uns vorliegen. Diese wurden uns vorwiegend von privater Seite zur Verfügung gestellt. Bilder, die jahrelang ihr Dasein in Fotoalben, Schubladen, Schuhkartons usw. fristeten und nun ins Licht der Öffentlichkeit treten dürfen. Kein aufbereiteter Hochglanzmist, wie er uns tagtäglich begegnet, sondern authentische Aufnahmen, wie sie damals gemacht wurden. Mitsamt den Unschärfen oder sonstigen Qualitätseinbußen, mit denen nicht nur die damaligen Amateurfotografen leben mußten.

Georg Herbold - Der in Groß-Rohrheim geborene Herbold bestritt zwischen 1937 und 1939 34 Gauligaspiele für den SV Waldhof, in denen er 22 Mal erfolgreich war. Danach wechselte er über den Rhein nach Worms zum dortigen Reichsbahn-TSV Wormatia
Georg Herbold - Der in Groß-Rohrheim geborene Herbold bestritt zwischen 1937 und 1939 34 Gauligaspiele für den SV Waldhof, in denen er 22 Mal erfolgreich war. Danach wechselte er über den Rhein nach Worms zum dortigen Reichsbahn-TSV Wormatia
Philipp "Fips" Rohr als Soldat. Rohr bestritt 95 Gauligaspiele für den VfR Mannheim und erzielte dabei 6 Treffer. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1941.
Philipp "Fips" Rohr als Soldat. Rohr bestritt 95 Gauligaspiele für den VfR Mannheim und erzielte dabei 6 Treffer. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1941.
Ein zuverlässiger Torhüter des SV Waldhof: Ernst Drayß
Ein zuverlässiger Torhüter des SV Waldhof: Ernst Drayß
Um die deutsche Meisterschaft: FC Schalke 04 - VfR Mannheim ( 18. April 1938 ). Der VfR Mannheim gewinnt "auf Schalke" durch Treffer von Lutz und Striebinger mit 2 - 1. Von links nach rechts: Klodt, Tibulski, Lutz ( VfR ), Schabran
Um die deutsche Meisterschaft: FC Schalke 04 - VfR Mannheim ( 18. April 1938 ). Der VfR Mannheim gewinnt "auf Schalke" durch Treffer von Lutz und Striebinger mit 2 - 1. Von links nach rechts: Klodt, Tibulski, Lutz ( VfR ), Schabran
Vier gestandene Gauligaspieler des Karlsruher FV ( v. li. n. re. ): Emil Helm, Willi Keck, Franz Ahl, Erich Benz
Vier gestandene Gauligaspieler des Karlsruher FV ( v. li. n. re. ): Emil Helm, Willi Keck, Franz Ahl, Erich Benz
Der aus dem pfälzischen Bellheim stammende Anton Lutz spielte von 1933 bis 1936 beim FK Pirmasens und wechselte dann zum VfR Mannheim. In 82 Gauligaspielen für den VfR erzielte der "Lutze Rot" 66 Treffer.
Der aus dem pfälzischen Bellheim stammende Anton Lutz spielte von 1933 bis 1936 beim FK Pirmasens und wechselte dann zum VfR Mannheim. In 82 Gauligaspielen für den VfR erzielte der "Lutze Rot" 66 Treffer.
1958 in Brasilien ( v. li. n. re. ) Fritz Hack, einst Gauligaspieler beim VfL Neckarau und später erfolgreicher Buchautor, Didi, Sepp Herberger
1958 in Brasilien ( v. li. n. re. ) Fritz Hack, einst Gauligaspieler beim VfL Neckarau und später erfolgreicher Buchautor, Didi, Sepp Herberger
Der Goalgetter des VfL Neckarau, Willi Preschle, steigt am höchsten ( FC Phönix Karlsruhe - VfL Neckarau 0-5 / 16.02.1941 )
Der Goalgetter des VfL Neckarau, Willi Preschle, steigt am höchsten ( FC Phönix Karlsruhe - VfL Neckarau 0-5 / 16.02.1941 )
Der Sturmtank des VfR Mannheim, Anton Lutz, im Zweikampf mit seinem Gegenspieler vom VfB Mühlburg ( VfR Mannheim - VfB Mühlburg 2-1 / 19.03.1939 )
Der Sturmtank des VfR Mannheim, Anton Lutz, im Zweikampf mit seinem Gegenspieler vom VfB Mühlburg ( VfR Mannheim - VfB Mühlburg 2-1 / 19.03.1939 )
Ankündigung des Gauligaspiels SpVgg Sandhofen - SV Waldhof am 14. Februar 1937 ( Endstand 0-3 )
Ankündigung des Gauligaspiels SpVgg Sandhofen - SV Waldhof am 14. Februar 1937 ( Endstand 0-3 )
Inserat zum Auswahlspiel am 1. September 1934 in Pforzheim: Gau Baden - Gau Nordhessen ( 4-4 )
Inserat zum Auswahlspiel am 1. September 1934 in Pforzheim: Gau Baden - Gau Nordhessen ( 4-4 )
Die badische Gauauswahl, die am 16. August 1942 in München die Auswahl Oberbayerns mit 6-5 besiegte: stehend, v.li.n.re.: Schwab, Danner, Erb, Lutz, Striebinger; Mitte: Müller, Rohr, Lohrbacher; vorn: Reeb, Keimig, Kleber
Die badische Gauauswahl, die am 16. August 1942 in München die Auswahl Oberbayerns mit 6-5 besiegte: stehend, v.li.n.re.: Schwab, Danner, Erb, Lutz, Striebinger; Mitte: Müller, Rohr, Lohrbacher; vorn: Reeb, Keimig, Kleber
Er war der Stürmerstar im früheren Rheinbezirk, wo er drei Mal zum besten Torjäger avancierte: Jakob "Jakl" Zeilfelder vom VfL Neckarau, der in der Saison 1933/34 noch 14 Gauligaspiele bestritt, in denen er 6 Mal erfolgreich war
Er war der Stürmerstar im früheren Rheinbezirk, wo er drei Mal zum besten Torjäger avancierte: Jakob "Jakl" Zeilfelder vom VfL Neckarau, der in der Saison 1933/34 noch 14 Gauligaspiele bestritt, in denen er 6 Mal erfolgreich war
Er bestritt zwischen 1939 und 1941 19 Gauligaspiele für den SV Waldhof: Reinhold Fanz ( sen. ), der nach dem Krieg als Trainer verschiedener nordbadischer und vorderpfälzischer Vereine in Erscheinung trat
Er bestritt zwischen 1939 und 1941 19 Gauligaspiele für den SV Waldhof: Reinhold Fanz ( sen. ), der nach dem Krieg als Trainer verschiedener nordbadischer und vorderpfälzischer Vereine in Erscheinung trat
Otto Kamenzin ( VfR Mannheim ) war einer der besten Mittelläufer der badischen Gauliga. Zwischen 1933 und 1940 war er in 96 Gauligaspielen im Einsatz. Als Marinesoldat in Wilhelmshaven kam er im Januar 1944 durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben.
Otto Kamenzin ( VfR Mannheim ) war einer der besten Mittelläufer der badischen Gauliga. Zwischen 1933 und 1940 war er in 96 Gauligaspielen im Einsatz. Als Marinesoldat in Wilhelmshaven kam er im Januar 1944 durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben.
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