Die Jubiläen im Überblick

125 Jahre

TV Colgenstein

TuS Erfenbach

TuS Neuhausen

TuS Rimschweiler

TV Ruppertsberg

SC Siegelbach

TV Stelzenberg

TSV Wonsheim

 

100 Jahre

SV Alsenborn

TuS 1884/1919 Alsenz

VfB Annweiler

SC Birkenfeld

FV Viktoria Bruchmühlbach

FV Budenheim

FK Clausen

SV Dellfeld

SV Erlenbrunn

SV Mainz-Gonsenheim

VfR Grünstadt

TuS 1919/51 Gutenberg

SC Hauenstein

TuS 1883/1919 Hochheim

FV Hochstätten

FC Höheischweiler

FV Kindsbach

FV Kusel

SV Lemberg

SG Limburgerhof

SV Mackenbach

FC Marnheim

SV Maudach

SpVgg Miesenbach

ASV 1900/19 Mörsch

FSV Münsterappel

SV Ober Olm

SG Blau-Weiß Oppau

FV Rockenhausen

SV Rodenbach

SV Ulmet

Spfr. Germania Winden

 

50 Jahre

SC Ilbesheim

 

 

Einzelkritik ausgewählter Festschriften

100 Jahre SV Alsenborn

Fußballkreis: Kaiserslautern - Donnersberg

Seiten: 58

Format: 17 x 24 cm

Bewertung: 6 ( mässig )

 

Der 20. Juli 1974 war ein Tag, den sie in Alsenborn am liebsten aus dem Kalender gestrichen hätten. Das DFB-Bundesgericht hatte nämlich entschieden, dem SV Alsenborn die Zulassung zur 2. Bundesliga Süd - diese nahm erstmals in der Saison 1974/75 den Spielbetrieb auf - zu versagen. Stattdessen durfte der 1. FC Saarbrücken mitmischen, dessen Ehrenmitglied Hermann Neuberger damals Mitglied des DFB-Vorstandes war. "Ob er tatsächlich bei den Entscheidungen eine Rolle spielte, bleibt Spekulation" so die Festschrift des Vereins. Fußball-Deutschland war empört, doch die DFB-Spitze blieb hart, und so versank der SV Alsenborn wieder - peu à peu - in den Fluten des Amateurspielbetriebs.

Natürlich bilden die 60-er und 70-er Jahre den Schwerpunkt in der 58-seitigen Festschrift, die ganz auf Grußworte verzichtet und nur eine Handvoll Seiten Werbung beinhaltet. Was wir bemängeln ist, dass man die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg, aber auch die 50-er Jahre, praktisch ausblendet. Es ist überhaupt kein roter Faden erkennbar, zumindest bis 1945. Auf den Seite 52 und 53 der Festschrift werden die Zugehörigkeit zur jeweiligen Spielklasse und die Endplatzierung ab der Spielzeit 1946/47 tabellarisch aufgelistet. Doch über die Vorkriegszeit erfahren wir - was den sportlichen Werdegang angeht - so gut wie nichts. "Bereits 1923 spielte der FVA in der A-Klasse" steht auf Seite 17 zu lesen. Und vorher ? Und danach ? Viele Fragen tun sich auf: welchem Gau gehörte man denn an ? Mit welcher sportlichen Bilanz ? Und wie war das im Dritten Reich ? "Der FVA behauptete sich über Jahre in seiner Spielklasse" lesen wir auf Seite 19. Über welche Jahre ? Und in welcher Spielklasse ? ... Alles in Vergessenheit geraten. Es ist äußerst schade, dass man über die beiden Meisterschaften in den Spielzeiten 1924/25 ( B-Klasse ) und 1929/30 ( ebenfalls B-Klasse ) kein einziges Wort verliert. Ist höchstwahrscheinlich auch niemandem mehr bekannt, da vermutlich alle Unterlagen im Krieg verloren gegangen sind. Hoffentlich bleiben wir vom nächsten verschont.

Leider schweigen sich die Autoren über die Junioren und die Schiedsrichter des Vereins ebenfalls aus. Die gehören doch in Alsenborn auch dazu, oder ? Auf Seite 46 der Festschrift ist von 180 Kindern und Jugendlichen die Rede. Zu lesen und sehen ist nichts. Aus den genannten Gründen können wir die Festschrift nur in die Kategorie 6 einstufen.

100 Jahre FK Clausen

 

Fußballkreis: Pirmasens - Zweibrücken

Seiten: 152

Format: quadratisch

Bewertung: 6 ( mässig )

 

 

Auf Wunsch des Vereins wird die Rezension nicht veröffentlicht.

100 Jahre VfR Grünstadt

 

Fußballkreis: Rhein - Pfalz

Seiten: 350

Format: DIN A 4

Bewertung: 4 ( gelungen )

 

350 Seiten stark, 1525 Gramm schwer - das Festbuch zum 100-jährigen Jubiläum des VfR Grünstadt trägt die Handschrift eines ehemaligen Freien Journalisten und bietet sehr viel. Das Bestreben, das Vereinsgeschehen möglichst umfassend zu dokumentieren, ist  ohne Weiteres erkennbar, doch nicht überall zufriedenstellend umgesetzt. Lücken gibt es insbesondere bezüglich des Zeitraums vor 1945. Richtig gesehen: die Bezirksmeisterschaft in der Saison 1920/21 in der C-Klasse des Nordpfalzgaues. Über die Spiele um die Gaumeisterschaft erfährt man nichts, auch der folgende Zeitraum bis 1927 wird völlig ausgespart. Der Aufstieg in die A-Klasse wird erwähnt, nicht jedoch, dass der Verein im Gau Ludwigshafen gespielt hat. Falsch die Behauptung, der Verein habe sich drei Jahre in der A-Klasse gehalten und sei dann "wieder in die Kreisklasse" abgestiegen ( Seite 18 ). Richtig ist, dass man ( wieder ) in die B-Klasse abgestiegen ist. Der Aufstieg in die Kreisliga im Jahre 1932 ist zutreffend - zur Ergänzung: es handelt sich um die Kreisliga des Kreises Vorderpfalz.

Zur sportlichen Entwicklung im Dritten Reich sind nur Infos über die Jugendabteilung vorhanden. Senioren: Fehlanzeige. Dass man von 1933 bis 1940 in der Kreisklasse 1 des Kreises Ostpfalz gespielt hat, von 1940 bis 1942 nicht am Spielbetrieb teilnahm, um dann in der Saison 1942/43 nochmals in die Rundenspiele einzugreifen, ist nicht überliefert. Eine Auseinandersetzung mit der Zeit des Dritten Reiches findet nicht statt. Erster Vorsitzender des Vereins war bis 1935 Johannes Brodbeck, dann - 1935 - gab´s die Verschmelzung mit der Turngesellschaft und dem Turnverein zur Turn- und Sportgemeinde, deren Erster Vorsitzender Georg Schumacher wurde. Auf die Idee, einmal in die Entnazifizierungsakten dieser Herren hineinzuschauen, ist man in Grünstadt leider nicht gekommen. Und: die Angabe, zwischen 1935 und 1945 seinen "Vereine nicht zugelassen" gewesen ( vgl. Seite 16 ), ist purer Nonsens.

1962 wurde der VfR Grünstadt wiedergegründet. Und von da an sind auch Abschlußtabellen vorhanden. Aus der Zeit davor nicht. Gibt´s (Zeitungs-)Archive in der Pfalz ? Aber ja ! Sollte man halt mal vernünftig recherchieren.

Was uns ebenfalls nicht gefallen hat: das Layout und die Darstellung als solche. Es ist wie beim Gulasch: alles in den Topf und umrühren. Erste Mannschaft, Jugend, Schiedsrichter, 1b-Mannschaft, Pokal, Instandsetzungsmaßnahmen, Damen ( war in den 70-ern; die heissen heute offiziell Frauen ! ) und sonstige Aktivitäten ( Theater, Sommerfeste, Teil- nahme an Umzügen ). Kann man zwar so machen, doch leidet darunter die Übersicht- lichkeit.

Als größten sportlichen Erfolg in der Geschichte des Vereins gilt der Einzug ins südwestdeutsche Pokalfinale ( vgl. Seite 194 ). Dort traf man am 7. Juni 2001 auf die Oberliga-Amateure des FSV Mainz 05, denen man mit 0-1 unterlag. Der Einzug in die erste DFB-Pokalhauptrunde mißlang ( "Das wäre für das Leiningerland der absolute sportliche Knüller und zweifelsfrei der Höhepunkt des Jahrzehnts gewesen." ). Insgesamt 23 Jahre gehörte der VfR Grünstadt, der zeitweise auch von den Ex-Alsenbornern Wolfgang Röhring und Bernhard Oberle trainiert wurde, der Verbandsliga Südwest an. Aktuell ist man in der siebtklassigen Landesliga Ost vertreten.

Das Buch, welches zum Preis von 18,- Euro erhältlich ist, ist - trotz seiner Mängel - als gelungen zu bezeichnen.

100 Jahre SC Hauenstein

 

Fußballkreis: Pirmasens - Zweibrücken

Seiten: 388

Format: quadratisch

Bewertung: 5 ( annehmbar )

 

388 Seiten umfasst die Festschrift des SC Hauenstein, die der Verein zum 100-jährgen Jubiläum präsentiert. Unterm Strich ist die Festschrift als "annehmbar" zu bezeichnen, für eine bessere Bewertung laut unserer Skala reicht es jedoch nicht. Das liegt im Wesentlichen an drei Punkten: zum Einen hat man die Zeit vor 1945 nicht präzise genug ausgeleuchtet, zum andern finden sich im ganzen Festbuch überhaupt keine Abschlußtabellen. Des Weiteren tut man sich schwer, einen roten Faden zur "Pokalgeschichte" des Vereins ( Pokalgeschichte bedeutet: Kreispokal - Verbandspokal - DFB-Pokal ) zu finden.  Und schließlich erfahren wir nichts über die Schiedsrichter des Vereins. Im Einzelnen:

1. Zeit vor 1945: Bildmaterial gut, Information mangelhaft

Schön beschrieben, wie es zum Übertritt vom Süddeutschen Fußballverband zur DJK kam. Die katholische Sportorganisation köderte den Verein damit, eine Kreislehrstätte, ein Stadion, ein Tennisplatz und ein Schwimmbad zu errichten, "wenn sich der SCH der DJK-Bewegung anschließt." Was dieser dann auch tat. Ein schönes Beispiel dafür, wie die katholische Kirche sich den Strömungen der Zeit anzupassen wusste, nachdem man in der Vergangenheit der Sportbewegung recht feindselig gegenübergestanden hatte.

Was fehlt, sind konkrete Ausführugen zur Verbandszugehörigkeit. Immerhin: Auf Seite 20 erfährt man, dass der Verein ab Herbst 1919 an den Verbandsspielen der C-Klasse teilnahm, "wobei man dem Bereich Vorderpfalz zugeordnet worden war." Eine Seite weiter heißt es: "1920 wurde von Verbandsseite eine Neuordnung vorgenommen, was zur Folge hatte, dass der SCH fortan in der B-Klasse eingeteilt und jetzt auch dem Bereich Hinterpfalz zugeteilt wurde." Ist soweit alles korrekt, aber nur soweit. Dass der Verein bis 1926/27 an den Verbandsspielen der A-Klasse im Gau Südwestpfalz teilnahm und danach ausschied, bevor man sich am 8. Dezember 1929 dazu entschloss, dem DJK-Verband beizutreten, bleibt, neben weiteren Ausführungen zum sportlichen Werdegang in dieser Zeit, unerwähnt. Ob es in der Zeit von 1927 bis 1929 einen Spielbetrieb gab oder nicht, wäre noch zu erforschen.

Die wenigen Sätze ( ganze 9 ), die über die Zeit des Nationalsozialismus zu Papier gebracht werden, zeigen eines deutlich: der Verfasser hat keine Ahnung. Umfang und Inhalt entsprechen in keiner Weise dem, was man heutzutage an Informationen über diese Zeit erwartet. Die Übersicht auf den Seiten 250 ff., welche die Namen der Funktionäre nennt, spart diese Zeit sogar ganz aus. Man erfährt nicht, wer zwischen 1933 und 1945 Verantwortung trug. Zum Spielbetrieb finden sich gar keine brauchbaren Ausführungen.

2. Abschlußtabellen: Will man sich einen Überblick verschaffen und hält nach Abschlußtabellen Ausschau, wird man enttäuscht. Solche findet man nirgends. Das ist schade, denn ein schneller, zielgerichteter Blick auf eine Tabelle ist das A & O, wenn man wissen möchte, mit welchen Vereinen man einmal die Klingen gekreuzt hat. Zwar findet sich auf den Seiten 241 bis 248 eine ab der Saison 1950/51 beginnende Auflistung, welche die jeweiligen Schlußstände inkl. Ligenzugehörigkeit benennt ( z. B. 1955/56: II. Amateurliga Westpfalz, 8. Platz, 31:29 Punkte ) - mehr aber nicht.

3. Pokal: dieser wird oft stiefmütterlich behandelt. So auch in dieser Festschrift. Zwar findet man ausführliche Infos zum DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen ( 21. August 2016 ), doch Pokal ist eben nicht nur DFB-Pokal.

4. Schiedsrichter: Hat es wohl noch keine gegeben in der 100-jährigen Vereinsgeschichte. Oder doch ?

5. Frauenfußball: Darüber erfährt man ebenfalls nichts. Kann natürlich sein, dass der Frauenfußball in Hauenstein niemals Fuß fassen konnte. Ein Hinweis wäre aber aufschlußreich gewesen ( für die Bewertung ist dieser Umstand aber nicht entscheidend ).

100 Jahre FV Kindsbach

 

Fußballkreis: Kusel - Kaiserslautern

Seiten: 40

Format: DIN A 5

Bewertung: 7 ( schlecht )

 

Der FV Kindsbach begeht sein 100-jähriges Jubiläum gemeinsam mit der örtlichen Kolpingsfamilie. Herausgekommen ist eine 40-seitige Festschrift, in der die Historie des Vereins auf gerade mal 3 Seiten heruntergebrochen ist. Das Ganze ist derart gestrafft, dass wir uns ernsthaft fragen, wie viel Zeit der Verfasser dafür benötigt hat. Viel kann es jedenfalls nicht gewesen sein.

Was - wie bei schlechten Festschriften immer - total ausgespart bleibt, sind Informationen zum Spielbetrieb vor 1945. Den genauen Gründungstag bleibt man uns schuldig - die Gründungsversammlung soll "etwa 10 Tage nach dem damaligen Fronleichnamsfest" stattgefunden haben. Immerhin: Es wird "die Aufnahme in den Süddeutschen Fußballverband" erwähnt und "der Beginn der Verbandsspiele ab Mitte August in der damaligen untersten Klasse C." Was dann so alles passiert ist, fällt unter den Tisch. Leider. Die beiden Meisterschaften 1923 und 1929 - unbekannt oder vergessen. Der Aufstieg in die Kreisliga ( damals zweithöchste Spielklasse ) - unbekannt oder vergessen. Die vierjährige Zugehörigkeit zur Kreisliga ( damals zweithöchste Spielklasse ) - unbekannt oder vergessen. Die Meisterschaft 1937, verbunden mit dem Aufstieg in die Bezirklasse ( zweithöchste Spielklasse ) - kein Wort. Nach 1945: nicht viel besser. Ein kleiner positiver Schimmer: die Auflistung der Klassenzugehörigkeit ab 1950. Über die Jugend des Vereins - diesem gehören z. Zt. vier Jugendteams an - erfahren wir nur, wer diese trainiert. Sonst nix. Defizite in allen Bereichen. In Abwandlung des Satzes "Lieber nicht regieren als schlecht regieren" möchten wir formulieren: lieber gar keine Festschrift als eine schlechte.

100 Jahre FV Kusel

 

Fußballkreis: Kusel - Kaiserslautern

Seiten: 48

Format: DIN A 4

Bewertung: 7 ( schlecht )

 

Die Festschrift des FV Kusel ist bestenfalls schlecht. Es ließe sich jetzt Vieles anführen, was man hätte verbessern können. Wobei wir Zweifel haben, ob der Begriff "verbessern" überhaupt der Richtige ist. Einige Beispiele: Auf Seite 27 wird über eine Meisterschaft des Vereins in der Saison 2003/04 berichtet. Der Haken: wir konnten nicht feststellen, in welcher Spielklasse diese Meisterschaft errungen wurde. In den Köpfen mag das ja (noch) präsent sein, doch so etwas geht gar nicht. Warum die Übersicht über die "Spielklassen und Platzierungen " ( Seite 43 ) erst ab der Saison 1993/94 beginnt, erschließt sich uns auch nicht. Überhaupt scheint das Ganze nicht viel Zeit beansprucht zu haben. Wenn wir richtig gezählt haben, besteht das Hauptkapitel aus 65 Sätzen. Auf wenigen Seiten werden anschliessend noch die Erfolge der jüngeren Vergangenheit näher erläutert und zum Schluß kommt noch die Jugendabteilung in 23 Sätzen zu Wort. Schade, dass die vier (Mannschafts-)Bilder aus den Jahren zwischen 2002 und 2015 ohne Namen versehen sind ( Seite 45 ) - aktuelle (Mannschafts-)Bilder gibt´s schon gar keine. Wenigstens etwas Positives haben wir gefunden: die Berichte über die erste Generalversammlung am 22. März 1919 und über die Vorstandssitzungen am 25. März und 12. November 1919 sind in vollem Wortlaut enthalten.

100 Jahre Sportfr. Germania Winden

 

Fußballkreis: Südpfalz

Seiten: 148

Format: 21 x 21 cm

Bewertung: 6 ( mässig )

 

Dass eine Chronik - nur weil Sie von einem Professor verfasst ist - nicht zwangsläufig gut sein muß, zeigt die Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Sportfreunde Germania Winden. So richtig schlau werden wir nämlich nicht, wenn wir uns auf die Suche danach begeben, wann denn der Verein seine ersten Verbandsspiele ausgetragen hat, wie die Gegner hießen und vor allem, welchem Verband man angehörte. Leider trifft dies auch auf den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 zu. "Es finden sich keine Unterlagen, die Auskunft darüber geben, wie sich der Fussball in Winden nach 1933 entwickelt hat" ( Seite 34 ). Zugegeben: um die richtigen Unterlagen zu finden, bedarf es schon einer Menge Erfahrung. Das wäre noch zu verschmerzen. Jedoch: der selbstgewählte Ansatz, die politischen Strömungen im Rahmen der Ausführungen in den Text mit einfliessen zu lassen - mehr noch: diese in den Mittelpunkt zu stellen anstatt über den sportlichen Werdegang ( der 1. Mannschaft ) des Vereins zu berichten - wird leider nicht konsequent durchgehalten. Denn: wir vermissen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. So hätte ein Blick in die Entnazifizierungsakten der Funktionsträger dazu beigetragen, die Beweggründe ihres Wirkens zu hinterfragen und der Öffentlichkeit zu präsentieren, was bis dato in den Archiven verborgen geblieben ist. In der Sache wird der Reichsarbeitsdienst erwähnt, der Begriff selbst jedoch nicht. Wer Dietwart des Vereins war, kommt ebenfalls nicht zur Sprache.

Die Ausführungen zum Spielbetrieb zeigen eines deutlich: Nix Genaues weiss man nicht ( das gilt übrigens auch für das genaue Gründungsdatum ! ). In der Inflationszeit, so heisst es, sei das Interesse am Fussballsport zurückgegangen "und kam 1925 gänzlich zum Erliegen. ... Doch schon vier Jahre später findet Winden zu seiner alten Spielbegeisterung zurück und der Verein nimmt einen geregelten Fußballbetrieb auf. ... In diese Zeit fiel die erste Blüte des Vereins. Die erste Mannschaft gab einen Gegner ab, der sich vor den Vereinen der Umgebung nicht zu verstecken brauchte. Gespielt wurde im Kreis Germersheim in der C-Klasse, in der B-Klasse und möglicher Weise auch einmal ein Jahr in der A-Klasse" ( Seite 32 ). Wie war das ? Kreis Germersheim ? C-Klasse, B-Klasse, "möglicher Weise" auch einmal ein Jahr in der A-Klasse ? Oder vielleicht zwei ? Oder zehn ? Die Organisationsstruktur des Süddeutschen Fußballverbandes scheint nicht bekannt zu sein, sonst hätte man nicht solch einen Unsinn geschrieben.

Den roten Faden, den wir suchen, den gibt es nicht. Wer sich dem Zeitraum ab 1945 zuwendet, muß sich die Spielbetriebs-Krümel selber rauspicken. Hier hätte eine Übersicht über die Zugehörigkeit zu den einzelnen Spielklassen resp. der Abdruck der jeweiligen Abschlußtabellen Wunder gewirkt. Begeben wir uns auf die Suche nach den Schiedsrichtern des Vereins, stellen wir fest, dass es keine gab. Falls ja, stellt sich die Frage nach deren Wertschätzung. Wenigstens hat man den Damenfußball, den es von 1974 an gab, nicht unterschlagen. "Über den Verlauf einzelner Spiele sowie über Erfolge und Niederlagen ist wenig bekannt" ( Seite 107 ). Ist ja auch schon eine zeitlang her.

Positiv ist hervorzuheben, dass es sich vorliegend um ein Hardcover-Buch handelt und dieses im Vierfarb-Druckverfahren hergestellt wurde. Dennoch kommen manche neuzeitliche Bilder qualitativ minderwertig rüber. So etwa die Aufnahme auf Seite 86, die anläßlich des Besuchs der Sendung "Flutlicht" im Mainzer SWR-Studio enstand. Unklar bleibt, ob dies am 20.08.2017 oder am 20.08.2018 der Fall war. Angesichts der inhaltlichen Mängel erscheint uns der Preis ( 19,19 Euro ) überhöht.